demokratische autonomie in nordkurdistan Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis

demokratische autonomie in nordkurdistan

5 ökonomische alternativen

Bereits in den Diskussionen zur Vorbereitung unserer Reise wurde uns die Schwierigkeit bewusst, dass wir innerhalb eines global wirkenden kapitalistischen Wirtschaftssystems nur ansatzweise alternative Modelle finden würden. Eine „Übernahme der Produktionsmittel“ kann natürlich nur in einer Phase des revolutionären Umbruchs erfolgen, der zurzeit nicht abzusehen ist.

Für den von der kurdischen Bewegung eingeschlagenen Weg des Aufbaus einer Demokratischen Autonomie kann dies also nur schrittweise geschehen, muss das Neue bereits im Alten in Ansätzen probiert und gelebt werden. Die besuchten Projekte würden also immer „nur“ transformatorischen Charakter haben können. Ein Mitglied einer politischen Bildungsakademie äußerte sich auf unsere Frage nach der ökonomischen Perspektive und den Besitzverhältnissen der Produktionsmittel folgendermaßen:

„Erst einmal müssen wir etwas klarstellen: Wir behaupten nicht, dass wir die richtige Lösung gefunden haben. Wir sind aber der Meinung, dass wir ein System zu entwickeln versuchen, das am nächsten an der richtigen Lösung ist. Wie der Westen vor der Renaissance versucht hat, die Werte der antiken Griechen zu finden, werden wir heute bei den östlichen Gesellschaften die alten Werte zu finden versuchen. Die kommunale Gesellschaft ist in den Gesellschaften des Ostens vorhanden. Auch wenn das kapitalistische System einen Platz in den Gesellschaften des Ostens eingenommen und sich ein unausgewogenes Leben entwickelt hat, gab es immer das kommunale Leben und die kommunale Denkweise in den Gesellschaften des Ostens. Die Städte sind ein Problem, denn die Städte sind das Zentrum der kapitalistischen Moderne. Der Individualismus und die Eigennützigkeit werden hier gefördert. Deshalb ist es wichtig, besonders in den Metropolen einen Mentalitätswechsel zu schaffen, und das versuchen die Akademien. Unser Ziel ist es, den Kurd_innen, die in die Städte ausgewandert sind, das kommunale System wieder nahe zu bringen, aber wir haben für die Städte im Moment keine fertige Lösung.“

Die Wirtschaft der Zukunft: partizipativ und kollektiv
Wenn man den ideologischen Grundlinien des Demokratischen Konföderalismus folgt, dann gelten vor allem zwei Prinzipien als notwendige Bedingungen einer zukünftigen ökonomischen Ordnung:

1. Die Partizipation der Bevölkerung an allen ökonomischen Planungsprozessen
2. Ein kollektiver Ansatz zur Lösung dieser gesellschaftlichen Aufgabe

Alle weiteren Bedingungen, wie sie z. B. im „PARECON“-Ansatz von Michael Albert genannt werden: Selbstverwaltung, Nachhaltigkeit, komplementäre Gleichheit, Solidarität, Diversität und Effizienz, können sich nur aus diesen beiden Vorbedingungen zu entwickeln.
Die von uns besuchten Projekte zeugen von den Bemühungen, dies umzusetzen und weisen in Ansätzen auch schon darüber hinaus.

Vorgestellte Projekte:
Die Kooperative „Ax û Av“ aus Wêranşar
Die Frauenkooperative Bağlar Kadιn Kooperatifi im Stadtteil Bağlar, Amed
Die Frauenkooperative Ekin Kadιn Kooperatifi aus Wêranşar

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