demokratische autonomie in nordkurdistan Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis

demokratische autonomie in nordkurdistan

5.3 vereinnahmungstendenzen durch die marktwirtschaft

Kritische Momente dieser hier vorgestellten Entwicklungen sind natürlich immer dann erreicht, wenn – über die Arbeit der Frauen – ihre Familien oder Gemeinschaften in den kapitalistischen Markt eingebunden werden, obwohl sie vorher eine starke Ausrichtung auf nicht-kapitalistische Wirtschaftsbeziehungen pflegten, beispielsweise tragende Komponenten des täglichen Lebens auf Subsistenz basierten.

Aktuell diskutiert und als klassisches Beispiel hierfür gilt sicherlich die Mikrofinanz-Industrie mit ihren Kleinstkredit-Programmen speziell für Frauen. Hier wird Frauen ein Kredit angeboten, um ein Gewerbe zu starten. Da der Kredit – meist zu zweistelligen Zinssätzen – jedoch in kurzer Zeit zurückgezahlt werden muss, sind die Frauen und ihre Familien in einer Schuld-Spirale gefangen, aus der sie sich schwer wieder befreien können. Statt in die Schule zu gehen, müssen die Kinder dann für den Kredit der Mutter arbeiten. Das Gegenteil war beabsichtigt. Die Selbstbestimmung der Frauen und ihrer Familien wird in die Hände des Marktes gelegt.

Aber auch solidarische Projekte des „Fairen Handels“ sind immer auch unter diesem Aspekt zu beleuchten: bringen sie die Menschen in Abhängigkeiten oder schaffen sie ihnen einen Freiraum zur Selbstbestimmung. Das Ziel der Ökonomie einer befreiten Gesellschaft kann nur lauten: Selbstbestimmung. Und die ist immer eine kollektive Frage und eine Sache der Teilhabe aller.

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