demokratische autonomie in nordkurdistan Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis

demokratische autonomie in nordkurdistan

6.1 die demokratische freie frauenbewegung (dökh)

Die Demokratische Freie Frauenbewegung (DÖKH) wurde 2003 von hunderten kurdischen Aktivistinnen gegründet, um Frauen aus verschiedenen sozialen, kulturellen und politischen Bereichen zusammenzubringen und als Dachverband gegen Geschlechterungleichheit, Rassismus, Nationalismus, Militarismus, Sexismus, Umweltzerstörung und die ökonomische Ausbeutung zu kämpfen. Die folgenden Zitate stammen aus dem Gespräch mit einer Frauenaktivistin der DÖKH.

„Wann immer Außenstehende für die Frauen und über die Köpfe der Frauen hinweg Entscheidungen treffen, geht es am Willen der Frauen vorbei. Das ist die Mentalität des Staates.“

Die DÖKH sieht die Notwendigkeit, im Kampf gegen ein männlich dominiertes System den Willen der Frau zu stärken, indem sie ein eigenes, menschlicheres System aufbaut, in dem die Frauen eigene Vorstellungen und eine eigene Praxis zur Erlangung ihrer Rechte und ihrer Freiheit entwickeln können.

„Der Demokratische Konföderalismus bedeutet, dass die Gesellschaft durch die Frau organisiert wird, dass sich die Gesellschaft sozial und mental ändert und Tabus gebrochen werden.“

Mit der Gründung der Frauenräte ist ein wichtiger Schritt zur Selbstermächtigung gemacht worden. Mit der Überzeugung, dass die Gesamtheit aus Demokratie, Ökologie und Geschlechterbefreiung die Lösung für die Probleme der Menschheit darstellen, kämpft die DÖKH für die Befreiung der Geschlechter und ist in allen gesellschaftlichen Schichten organisiert, um die Maxime von Gleichheit und Freiheit zu erreichen.

„Der Frauenrat hat beschlossen: In unserem Stadtteil akzeptieren wir keine Polygamie, Zwangsheiraten oder Kinderehen, hier wird es kein Brautgeld mehr geben. In unserem Stadtteil wird die Frau nicht im Namen der Ehre verurteilt. Hier gilt der freie Wille und die Entscheidung der Frau. Ein Mann, der seine Frau schlägt, wird benannt, egal, wer es ist.“

Was zunächst eine Willenserklärung der Frauen war, wurde vom Volksrat übernommen und mündete in einer Vereinbarung mit der Stadtverwaltung, zum Beispiel in Fällen häuslicher Gewalt Sanktionen gegen den gewalttätigen Mann einzuleiten. Diese Vereinbarung ist den Frauenräten zu verdanken und gilt jetzt überall in Kurdistan, wo die BDP die Mehrheit in den Stadträten hat und die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister stellt. An diesem Beispiel wird deutlich, dass der Kampf um Geschlechterbefreiung schon heute spürbare Veränderungen im Leben der Menschen bewirkt.

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