demokratische autonomie in nordkurdistan Rätebewegung, Geschlechterbefreiung und Ökologie in der Praxis

demokratische autonomie in nordkurdistan

7 gesellschaft ökologisch umgestalten

Auch in Kurdistan hält der Kapitalismus Einzug und mit ihm die systematische Zerstörung der Natur. Obwohl die neoliberale Lebens- und Wirtschaftsweise in einige Regionen Nordkurdistans noch nicht ganz vorgedrungen ist und viele Menschen mit der Natur verbunden leben, sind Umweltzerstörungen durch Energie-, Bergbau-, Infrastruktur- und Agrarprojekte, durch den Krieg und die Urbanisierung unübersehbar. Das Militär legt Waldbrände, ganze Landstriche werden durch den Einsatz chemischer Waffen verseucht. Die Zunahme industrieller Produktion, z. B. der Ölproduktion in der Region Elih (Batman), der systematische Bau von Staudämmen auf allen Flüssen, neue fossile Großkraftwerke und das Wachsen der Städte, auch bedingt durch die Binnenmigration der Kriegsflüchtlinge, führen zu gesundheitsgefährdender Verschmutzung von Boden, Luft und Wasser.

Mit der Bildung von Umweltvereinen oder sozialen Bewegungen gegen jeweils nur eine bestimmte Erscheinung oder ein bestimmtes Projekt werden die skizzierten Probleme nicht grundsätzlich zu lösen sein, sondern es bedarf der Erarbeitung einer Perspektive für die ganze Region und einer ganzheitlichen Umgestaltung der Gesellschaft nach ökologischen Prinzipien. Entsprechend dem Paradigma einer demokratischen, ökologischen und geschlechterbefreiten Gesellschaft beschreibt der Kongress für eine Demokratische Gesellschaft (DTK)1 in seinem Modellentwurf für ein Demokratisches Autonomes Kurdistan als Ziel einen „ethischen Wandel“ und eine „ökologische Herangehensweise“.
Neben der Entwicklung von Perspektiven ist der Protest gegen umweltzerstörende Projekte von großer Bedeutung. So zum Beispiel gegen die zunehmende Urbanisierung oder den Bau von Staudämmen, durch die wichtige Ökosysteme zerstört, hunderttausende Menschen vertrieben oder – wie im Falle des Ilisu-Staudammes – auch Jahrtausende alte historische Stätten überflutet werden. Im Januar 2011 gründete sich die Ökologiebewegung Mesopotamiens, um u. a. die bestehenden Umweltvereine und -initiativen gegen sozial-ökologische Zerstörungen zu vernetzen, ihre teils marginalen Proteste zu verstärken und den Aufbau einer ökologischen Gesellschaft konkret voranzutreiben.
Im folgenden Kapitel werden die Ökologiebewegung und mit ihr vernetzte Umweltvereine, ihre Ziele, Themenschwerpunkte und Projekte vorgestellt.

Gründung der Ökologischen Bewegung Mesopotamiens
Aktuelle Aktivitäten im Umweltbereich
„Wir können nicht einfach zuschauen!“ – Proteste gegen die staatliche Energiepolitik
Die Natur zurückerobern – auch in den Köpfen!
Von Widerstandsgurken und anderen seltenen Arten
Grüne Visionen – Zukunftsperspektiven für eine ökologische Gesellschaft

  1. Vgl. Der Demokratische Gesellschaftskongress – DTK []

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